7 Tipps für den Herbst

Herbstmelancholie, Winterdepression, Schwermut
Herbstmelancholie?

Herbstmelancholie – Wie komme ich gut durch die dunkle Jahreszeit?

Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, wird man anfälliger für schwermütige Gefühle, der sog. Herbstmelancholie. In unserer hedonistisch orientierten Gesellschaft ist jedoch kaum noch Raum für Melancholie und Tiefgang. Man hält sich lieber künstlich gestresst, um nicht fühlen zu müssen. Man steht also mit seinen Ängsten und Unsicherheiten (gefühlt) alleine da und weiß nicht wirklich, wie man damit umgehen kann. Rituale oder Gemeinschaften, die einem auffangen könnten, gibt es kaum noch.

Die Natur mit ihren Jahreszeiten zeigt uns, dass unser Leben aus verschiedenen Phasen besteht. Der Übergang vom ausbündigen Sommer zum grauen Herbst ist vielleicht nicht so fröhlich wie der Übergang vom Winter zum Frühling, wenn die Natur wiedererwacht. Die Lebenssäfte der Natur ziehen sich nun zurück und der Herbst symbolisiert Vergänglichkeit, das macht uns etwas schwermütig.

Der Herbst bietet jedoch gerade den Raum für diesen Tiefgang. Es ist die Zeit innezuhalten, Zeit zur Selbstbesinnung und Zeit die Batterien wieder aufzuladen.

7 Tipps für und gegen die Herbstmelancholie

1. Dem Rhythmus der Jahreszeiten folgen – Das Leben verläuft zyklisch

Zyklisches Leben bedeutet, sich dem glücklichen, wie dem weniger glücklichen Leben gleichsam zuzuwenden. Gerade diese Zeit des Rückzugs ist für Körper, Geist und Seele besonders wichtig. Zum Ausruhen und Regenerieren des Körpers, zur Verinnerlichung und zum Loslassen von allem, was dir nicht mehr dienlich ist. Gebe dich also dem Rhythmus der Natur hin und nehme an, was auf dich zukommt. Wenn es dir nicht gut geht, frage dich: was ist das Geschenk darin für mich? Welche Chance liegt für mich in dieser Phase?

2. Loslassen

Der Herbst ist die ideale Zeit zum Abschiednehmen von Dingen, die in deinem Leben nicht mehr stimmen. Egal, ob es sich um eine Gewohnheit, eine Eigenschaft, ein Glaubenssatz, eine Lebensphase oder überschüssigen Ballast in der Wohnung handelt. Du kannst dich dabei selbst fragen: dient es mir noch? Wenn nicht, dann lasse es los. Durch loszulassen entscheidest du dich, den Weg für etwas Neues freizumachen und dich weiter zu entfalten.

3. Dem Körper und der Seele etwas Gutes tun

Sich Ruhe gönnen, es sich gemütlich machen auf der Couch mit einem guten Buch oder schöner Musik. Es ist die Zeit der inneren Ruhe und sich nicht mehr verausgaben. Bei einem traurigen Film seinen Tränen mal so richtig freien Lauf zu lassen, wirkt für die Psyche wie für die Natur ein erfrischender Regenschauer. Danach fühlt man sich befreit und wie neugeboren. Auch dem Körper tut dies gut, weil man beim Weinen Stresshormone abbaut. 

Weitere Möglichkeiten, dir etwas Gutes zu tun:

  • Nutze kulturelle Angebote, um dich deinen Gefühlen hinzugeben. Gerade habe ich im Heidelberger Stadtblatt einen Veranstaltungshinweis gelesen, der total in dieses Thema passt: „winterwarm“ – Poesie und Musik in der Trauerhalle des Bergfriedhofes. Warum nicht? Sicher eine gute Gelegenheit, alten Schmerz loszulassen. 
  • Gehe zum Mantrasingen und öffne dein Herz. Auch Singen ist eine hervorragende Möglichkeit, deine Gefühle und Sehnsüchte auszudrücken.
  • Gönne dir einen Verwöhntag in der Sauna und/oder eine schöne Massage. Diese Aktivitäten helfen deinem Körper beim Entspannen. 
  • Unschlagbar: ein Spaziergang in der Natur. Natur ist heilsam. Sei dir bewusst, dass du Teil der Natur bist und alles miteinander verbunden ist. Dann entlarvt sich Einsamkeit schnell als Illusion. 

4. Erntedank zelebrieren

Wie alles, so hat auch der Herbst zwei Seiten. Da gibt es noch die Zeit der Ernte, der Freude am Reichtum der Natur und der Dankbarkeit dafür. Nutze den Herbst also auch, um über deine Erfolge zu reflektieren und dich in Dankbarkeit zu üben. Nimm dir Zeit, deine Erfolge aufzuschreiben und eventuell auch Misserfolge zu analysieren und dir zu überlegen, wie du die restliche Zeit des Jahres noch nutzen möchtest. 

5. Negative Gefühle akzeptieren und wertschätzen

Die traurigeren Gefühle sind Teil der menschlichen Natur und haben wichtige Funktionen. Sie weisen uns beispielsweise auf Gefahren oder auf unsere Bedürfnisse hin. Angst hat eine deutliche Warnfunktion, Trauer hilft bei der Verarbeitung von psychischen Verletzungen und Wut setzt Kräfte frei, um uns selbst zu beschützen. 

Da diese Gefühle sich schmerzhaft anfühlen und man eigentlich doch glücklich sein will, versucht man diese „negativen“ Gefühle wegzustecken. Erst durch diese Unterdrückung werden die Gefühle wirklich negativ und entsteht längerfristiger Leidensdruck. Es entsteht sozusagen ein 2. Gefühlsniveau: Man fühlt sich schuldig, weil man sich schlecht fühlt oder man bekommt Angst vor der Angst. Durch entsprechende negative Gedanken feuert man die Gefühle immer wieder an und wird schließlich richtig unzufrieden mit sich selbst.

6. E-Motion – Gefühle sind Energie in Bewegung

Das Unterdrücken von Gefühlen kostet viel Energie. Es ist besser, sich den unangenehmen Gefühlen zu stellen und sie zuzulassen. Gefühle sind per Definition etwas Zeitliches. Sie sind Energie in Bewegung, sie kommen und gehen (übrigens auch die positiven). Denn rein physiologisch sind wir gar nicht in der Lage, ein Gefühl länger als ca. 10 Minuten zu fühlen. Wenn man sich also seiner Trauer wirklich hingibt und weint, wird sie verfliegen. Oder wenn man Wut zulässt, gibt sie Energie. Diese Energie kann man nutzen, z.B. um lästige Arbeiten zu verrichten oder Sport zu machen ….

7. Bei Winterdepression – Tageslichtspaziergang

Im Gegensatz zu den direkt gefühlten Gefühlen hält z.B. eine depressive Stimmung länger an. Im Herbst können Menschen an der sog. Lichtmangel- oder Winterdepression leiden. Diese geht über eine Herbstmelancholie hinaus. Jahreszeitliche Veränderungen der Stimmung sind seit alters her bekannt. Auch früher berichtete man von schlechter Laune, verminderter Tatkraft, verstärkter Müdigkeit und gesteigertem Appetit in den Wintermonaten, die allesamt im Frühjahr wieder verschwanden.  Als Ursache wird eine Störung bestimmter Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) gesehen, so wie Melatonin und Serotonin, die u.a. für Stimmungen verantwortlich sind. Die Therapie richtet sich nach der Ursache: Lichtmangel. Darum ist eine tägliche Tageslichtwanderung zu empfehlen. Diese sollte mindestens eine Stunde dauern. Alternativ hierzu wäre eine künstliche Lichttherapie. Wichtig ist auch hierbei das Bewusstsein, dass es sich um einen Prozess handelt, der von zeitlicher Art ist. Expressiv zu sein und zu fühlen ist in allen Fällen wichtig. Im Zweifelsfall den Hausarzt aufsuchen.

Wirklich dauerhaft glücklich sein umfasst das gesamte Gefühlsspektrum. Man kann eben nicht selektiv fühlen und nur angenehme Gefühle erfahren.

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